Reini Gelder hat die OSTAR 2009 vozeitig beenden müssen...
Liebe Freundinnen und Freunde von Reini Gelder,
soeben hat Reini Gelder (in Führung liegend, 27. Mai) mit seinem Trimaran 'Light for the World' wegen eines Materialschadens seine OSTAR-Regatta über den Atlantik abbrechen müssen (Originalwortlaut von Reini Gelders Nachricht siehe unten). Er bedankt sich bei allen für die Unterstützung.
"Hallo - genau um 1200 ist stb top diamond am oberen spreadertip steuerbord mit lautem knall gebrochen. hatte gerade von stagsegel auf solent gewechselt um mit voller speed nach westen zu segeln. mast steht noch, da rigg durch unterwanten abgesichert war, die mastrotation fixiert war und ich sofort wendete. segle jetzt mit reff 3 groß und staysail nach lorient, das ich ohne fremde hilfe zu erreichen gedenke. OSTAR ist beendet. ich habe die sicherheit der diamonddrähte schon früher mit marström diskutiert, da ich kein freund von discontiniuos rigging bin, aber man hat mir versichert, dass da nichts passieren kann - denkste - wenigstens hab ich den mast noch. werde in lorient die reparaturen durchführen. Distance 408 nm Kurs 96° Vielen Dank an euch alle für eure unterstützung. Liebe Grüße Reini"
Ein Freund von ihm hat nach dieser Nachricht geschrieben: "Lieber Reini, Du hast alles gegeben und unsere Herzen begeistert, schön dass Du lebst, es Dir gut geht und sonst nix passiert ist."
Salzburger segelt am Kurs der Titanic
Der im oberösterreichischen Mattighofen als Kieferorthopäde tätige Arzt Reinhard Gelder wagt als erster Österreicher die Teilnahme an der ältesten und härtesten Einhand - Regatta über den Atlantik. Gegen Wind und Strömung will sich der erfahrene Segler non-stop von Südengland die 2.800 Seemeilen bis an die nordamerikanische Küste durchkämpfen. Ein innerer Auftrag begleitet ihn: Licht für die Welt.
Reinhard Gelder geht durch die menschenentleerte Praxis und rückt ein letztes Mal die filigranen Instrumente und technischen Geräte zurecht. Mit seinem Bruder und Partner Hartmut Giger geht er noch einmal die Behandlungspläne durch. Heute genug der Zahnspangen, die seinen Arbeitsalltag bestimmen. Auch wenn ihn seine Patienten als Kieferorthopäden aus Leidenschaft kennen, gibt es doch einen inneren Traum, der ihn schon viele Jahren im Bann hält: Die Teilnahme an einer großen Blauwasser-Regatta. Dieses Jahr erfüllt er sich diesen Wunsch mit der Teilnahme an dem „Original Single Handed Transatlantic Race“, dem OSTAR 2009. Die älteste und härteste Einhandregatta, mit nur einer Person an Bord, über den Atlantik, die im südenglischen Hafen Plymouth dieses Jahr zum 13. Mal startet, und deren Ziel nach 2.800 Seemeilen die nordamerikanische Küstenstadt Newport (200 km östlich von New York, Anm.) ist, kennt kaum Spielregeln. Ehre, Freundschaft, der Kampf gegen die Elemente, sonst nichts. Und dennoch kommt nur jeder zweite der 45 Segler am Zielhafen an. Der veranstaltende britische Royal Western Yacht Club schreibt lapidar auf seiner Website: „Dieses Rennen ist inspiriert von Legenden und wird gesegelt von Helden. Der Atlantik ist der einzige Richter und erlaubt keine Fehler.“ (www.ostar2009.co.uk)
Einige der Segler mussten bereits ihr Leben lassen, so auch Mike McMullen, dessen Buch über Mehrrumpfboote Reinhard Gelder im Alter von 17 Jahren den Traum von dieser Regatta ins Herz gelegt hat. Viele Stationen musste der heute 48-Jährige durchlaufen, um Schritt für Schritt seiner Vision näher zu kommen: Erste Segelversuche nahe der Ferienhütte seiner Großmutter in Neumarkt am Wallersee. Dann der nautische Quantensprung ans Mittelmeer, als Schiffsjunge auf einer Yacht, später als Skipper, bis er 1993 seinen Trimaran in Sydney findet, von dessen Bauart es weltweit nur zwei Stück gibt. 12,17 Meter lang und 11 Meter breit, Masthöhe 18 Meter bei einem segelfertigen Gewicht von 3.700 Kilogramm kaum schwerer als ein voll beladener Geländewagen. Eine Weltumsegelung mit seiner Lebensgefährtin Sandra Petrik Mitte der 90er-Jahre gibt ihm die Routine und Sicherheit die man braucht, um mit bis zu siebenundzwanzig Knoten übers Wasser zu fliegen. „Schwimmweste brauchst du keine, wenn du vom Boot fällst ist es aus“, so Gelder, der im Zuge seiner bis heute mehr als 50.000 gesegelten Seemeilen mehr auf Lifebelt und Sicherheitsnetze zwischen den drei Rümpfen vertraut.
Ein Trimaran ist nur durch die enorme Breite stabil und kann kentern, aber nicht untergehen. „Die Wellen können bei Sturm in Nordatlantik weit über 12 Meter Höhe erreichen aber Sorgen bereiten mir eher Kollisionen z. B. mit Walen und Eisbergen, besonders im gefürchteten Nebel vor Neufundland!“ erzählt der erfahrene Seebär aus Salzburg. Und mit einem Eisberg vor Neufundland ist schließlich am 14. April 1912 auch die Titanic kollidiert, deren Kurs die OSTAR folgt. Würde Kapitän Eduard John Smith, der mit der Titanic unterging, Reinhard Gelder einen freundschaftlichen Rat geben können, er würde ihm wohl von dieser Regatta auf diesem Kurs und in dieser Highspeed-Nuss-Schale tunlichst abraten. Verstehen kann man Gelder dennoch, wenn er die Eindrücke auf hoher See schildert: „Am Meer bin ich mit allen Elementen, mit dem Universum, mit der ganzen Welt verbunden. Unten das Wasser, oben die Sterne, die Zeit kriegt eine andere Dimension, die Dinge des Alltags rücken wieder in die richtige Perspektive, das klärt Seele und Gedanken.“ Und noch viel mehr als das bedeutet Reinhard Gelder bei seiner Lebensregatta seine soziale Mission für die sein Trimaran „Ave Gitana“ unter dem Namen „Light for the World“ am 25. Mai 2009 um 12 Uhr im Hafen von Plymouth an den Start geht.
Die beiden Außenrümpfe hat er mit „light-for-the-world.org“ versehen, will damit die humanitäre Arbeit der österreichischen Fachorganisation ‚Licht für die Welt’ zugunsten augenkranker und blinder Menschen weithin sichtbar machen. Besonders am Herzen liegt ihm die augenmedizinische Versorgung in der Somali-Region im Südosten Äthiopiens, die einen traurigen Rekord verzeichnet: Einer von zwanzig Einwohnern ist blind, die Blindheitsrate von 5% ist die weltweit höchste. „Und dabei können 75 Prozent der Erblindungen in dieser benachteiligten Region mit einfachster medizinischer Versorgung verhindert werden, vor allem bei Kindern“, so der Segel hissende Mediziner über seinen sozialen Auftrag, den er an seinem geschmeidigen Trimaran über das eisige Wasser des Atlantiks tragen will. Um „Aufsehen und Spenden“ zu erreichen. Konkret geht es um die Ausstattung von zehn Augenstationen in der äthiopischen Somali-Region, die als erste Anlaufstationen der verarmten Bevölkerung tausenden Kindern das Augenlicht retten sollen. „Die Versorgung einer Augenstation mit den notwendigen Instrumenten und Hilfsgütern kostet 8.000,- Euro, mal sehen, ob diese Regatta über den Atlantik nicht auch eine Reise ins Licht für hunderte blinde Menschen in Afrika bedeutet“, so Reinhard Gelder mit nachdenklicher Miene, die in die Ferne schweift. Ob er die OSTAR 2009 gewinnen kann? Gelder: „Fest steht, dass mein Boot eines der schnellsten ist, dass ich ganz vorne dabei sein kann. Aber es sind auch noch andere Boote und Skipper am Start. In den letzten drei Jahren habe ich mit Sandra in mühseliger Kleinarbeit das Boot komplett überholt, noch leichter und schneller gemacht: Neuer Mast, neue Segel, alle Schotten ausgetauscht, das Boot rundum neu geschliffen und lackiert. „Tausende Arbeitsstunden stecken in meinem ‚Tri’. Aber am wichtigsten ist für mich, heil in Newport anzukommen und Sandra in die Arme zu schließen!“ Reinhard Gelder streicht sich über sein sonnengegerbtes Gesicht, rauft sich die Haare, schenkt Sandra an seiner Seite ein Lächeln, die Regatta seines Lebens hat im Kopf schon lange begonnen.

